CCS – ein objektives, wissenschaftliches Messsystem für die Eigenschaften einer Angelrute
Länge, Aktion und Power sind die drei grundlegenden Eigenschaften einer Rute. Zwar existieren Bezeichnungen und klar abgegrenzte Kategorien zur besseren Verständlichkeit, doch das Gefühl kann beim direkten Vergleich zweier Ruten mit scheinbar identischen Attributen deutlich variieren. Ein objektiver Prüfstand würde diese Unterschiede zweifellos erklären – im Fokus: das Common Cents System, mit dem sich die Eigenschaften jedes Blanks präzise und numerisch bestimmen lassen.
Auf den ersten Blick lässt sich eine Rute mit Spitzenaktion und MH-Power kaum von einer anderen unterscheiden – und doch merkt man beim Fischen, dass sich ihr Verhalten deutlich unterscheidet. Aus dieser Beobachtung – und aus dem Wunsch nach Präzision – ist das Common Cents System (CCS) entstanden: Es ermöglicht heute, die Eigenschaften eines Blanks exakt zu bestimmen und ihn vor allem objektiv mit einem anderen zu vergleichen, der nominell derselben Kategorie angehört. Nach diesen Zeilen werden Sie Ihre Angelruten sicher mit neuen Augen betrachten.

Historie des CCS
Das Common Cents System wurde Anfang der 2000er Jahre von dem US-Amerikaner Dr. Bill Hanneman entwickelt und in einem amerikanischen Magazin (RodMaker Magazine) veröffentlicht – ursprünglich, um die Aktion von Fliegenruten objektiv zu charakterisieren und zu messen, einem Gefühl einen Zahlenwert zu geben und damit Ruten miteinander vergleichbar zu machen.
Dieses Protokoll liefert quantifizierbare Vergleichspunkte in Bezug auf Power, statische Aktion und auch Frequenz.
Seinen Namen verdankt es der Tatsache, dass für die Messungen Münzserien – „cents“ – verwendet werden.

IP – der Begriff der „Power“
Die erste Messgröße im CCS ist die Power (IP). Sie entspricht der Masse, die erforderlich ist, um den Blank auf eine zuvor definierte Länge zu durchbiegen.
Ist diese Masse ermittelt, wird ihr mithilfe einer von Dr. Bill erstellten Tabelle – seiner „Rosetta-Stein“ – eine Zahl, die ERN, zugeordnet. Über diese Tabelle wird bei der Ursprungstudie die passende Schnurklasse für den getesteten Blank definiert (der Fokus lag auf Fliegenruten und -schnüren).
Ein Blank bleibt jedoch ein Blank – unabhängig vom Einsatzgebiet. Entsprechend gibt es Formeln, mit denen sich aus der Masse ein Wurfgewichtsbereich ableiten lässt, analog zu den ermittelten Schnurklassen.
Da das US-Maßsystem ein anderes ist, wird diese Masse zunächst in Unzen angegeben; selbstverständlich lässt sie sich in Gramm umrechnen.

AA – die statische Aktion einer Rute
Die zweite Messgröße des CCS ist die AA: der Winkel, den die Rutenspitze (Tip/Scion) zum Vertikalachsensystem einnimmt. Dieser Winkel charakterisiert die statische Aktion des Blanks – Spitzen-, Halbparabol- oder Parabolaktion.
Als Richtwert gilt: Ein Winkel von über 70° steht für Spitzenaktion. Wirklich aussagekräftig wird dieser Wert jedoch erst im Zusammenhang mit weiteren Messgrößen.

CCF – die dynamische Dimension
Schließlich ermöglicht das CCS eine dritte Messgröße, den CCF, der das dynamische Verhalten des Blanks beschreibt: seine Frequenz, also die Rückstellgeschwindigkeit der Spitze.
Dazu wird an der Spitze eine Masse befestigt und der Blank belastet; anschließend lässt man los und stoppt die Zeit, die die Spitze für 20 Schwingungen benötigt. Je schneller diese 20 Zyklen durchlaufen werden, desto höher ist die Frequenz – und desto reaktiver der Blank.
Auf dieser Basis lässt sich ein Blank als „fast“ oder „slow“ einordnen.

Rohdaten
Auch wenn das CCS die Eigenschaften einer Rute in Zahlen fasst, bleiben die gewonnenen Ergebnisse zunächst Rohdaten, die nur schwer nutzbar sind, solange sie nicht mit weiteren Messungen in Beziehung gesetzt werden.
Vor allem handelt es sich um Vergleichspunkte, die Empfindungen und mögliche Einsatzbereiche eines Blanks abbilden – ihr Nutzen und Mehrwert wachsen mit der Anzahl der vorliegenden Daten.











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