Für viele Fliegenfischer ist eine schwimmende Schnur der Klasse 5 das wichtigste – und manchmal sogar das einzige – Werkzeug ihrer Leidenschaft. Von solchen Schnüren erwartet man vor allem eine große Vielseitigkeit. Besonders in den Klassen 5 und 6 müssen sie sich an zahlreiche Situationen anpassen können: präzises Kurzfischen auf Sicht ebenso wie das weite Werfen von Streamern im Stillwasser. Diese Modelle der Ply Patrol Line bilden die Brücke zwischen der klassischen Fliegenfischerei, bei der mit Insektenimitationen gefischt wird (das eigentliche Einsatzgebiet einer #5), und dem, was man als „gepeitschte Köderfischerei“ bezeichnen könnte, also dem Streamerfischen (das Hauptaufgabengebiet einer #7).
Das Pflichtenheft
Hier sind drei Szenarien, die einen guten Eindruck davon vermitteln, in welchen Situationen die LST 5, 6 und 7 ihre Stärken ausspielen. Gleichzeitig illustrieren sie das Pflichtenheft, das unsere technischen Konstruktionsentscheidungen geleitet hat.
Szenario für eine #5: Kobarid – Reise an die obere Soča
Die Soča ist einer der schönsten Salmonidenflüsse Sloweniens und zweifellos auch Europas. Sie entspringt in der beeindruckenden Landschaft der Julischen Alpen. Mit ihrem smaragd- bis türkisfarbenen Wasser, je nach Pool, und ihrem reichen Bestand an Regenbogenforellen, Bachforellen und vor allem an Marmorata – diesen riesigen Marmorforellen, die zur Legende Sloweniens beigetragen haben – ist sie ein Traumziel für reisende Fliegenfischer. Wer sein Basislager in Kobarid, nahe der italienischen Grenze, aufschlägt, hat Zugang zu einem ganzen Netz von Gewässern mit enormem Fliegenfischer-Potenzial. In einem solchen Paradies ist es besser, auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Die magische Zahl für Vielseitigkeit auf Forelle ist die Schnurklasse 5. Fein genug, um eine Trockenfliege sanft zu präsentieren, aber kraftvoll genug für weite Würfe, in der Lage, eine schwere Nymphe für tiefe Gumpen oder einen kleinen Streamer zu transportieren – sie ist das Schweizer Taschenmesser der Salmonidenflüsse.
Szenario für eine #6: Auf Abenteuer an der Dordogne bei Argentat
Es ist Morgen, und man trinkt seinen Kaffee aus den Mazagrans bei Maryse. Die Atmosphäre erinnert ein wenig an einen Besuch bei einer Großtante, vermischt mit einer Pilgerreise zu einem der Heiligtümer der Dordogne-Fischerei. Man spürt, dass sich hier vor dieser Theke und auf der großen Strecke unterhalb, auf der anderen Straßenseite, Seiten der französischen Angelgeschichte geschrieben haben. Man steigt unterhalb der Brücke ins Wasser, um einen sehr breiten Abschnitt zu erkunden, in dem überall mit Steigen gerechnet werden kann – oder, wie heute, auch gar nicht. In diesem Fall muss man auf Nymphe umsteigen und viel Wasser absuchen. Eine bewährte Technik (auch wenn sie Puristen die Stirn runzeln lässt) besteht darin, ein oder zwei Nymphen unter einer sehr gut schwimmenden Trockenfliege anzubieten (die braune Tavanas der französischen Nationalmannschaft eignet sich dafür hervorragend). Eine gut werfende #6-Schnur ist dafür ideal, um dieses Fliegengespann auf jede Distanz zu bringen, auch bei Wind. Ebenso, wenn man plötzlich auf Streamer wechseln möchte oder zwanzig Meter Schnur herausbringen muss, um ein unerwartetes, weit entferntes Steigen zu erreichen.
Szenario für eine #7: Karpfen auf den Flats
Ein geheimer See in Zentralfrankreich, im Sommer. Entlang des gesamten Westufers ist das Wasser nicht tiefer als 50 cm. Der Untergrund ist hier eher steinig, sodass man ins Wasser gehen kann, ohne bis zu den Waden im Schlamm zu versinken. Schöne Karpfen ziehen entlang der Ufer, und man sieht oft ihre Schwanzflosse, wenn sie am Grund fressen. Um sie zu verführen, fischt man mit recht voluminösen Nymphen oder kleinen Streamern. Das Spiel findet meist jenseits von fünfzehn Metern statt – das richtige Werkzeug dafür ist eine #7-Schnur mit nach vorne verlagertem Profil. Zumal bei diesem Süßwasser-Bonefish eine #7-Rute oft nicht zu viel ist, um im Drill die Kontrolle zu behalten.
Die Design-Philosophie
Kopfprofil
Die LST-Schnüre (Long Shoot Taper) sind in erster Linie für Wurfleistung konzipiert, insbesondere zur Erleichterung weiter Würfe. Das nach vorne verlagerte Profil vermittelt sehr klare Rückmeldungen während der Leerwürfe. Der Schnurkopf ist insgesamt 14,5 m lang – eine klare Entscheidung zugunsten maximaler Distanz. Das hindert die LST jedoch keineswegs daran, auch auf kurze und mittlere Distanzen zu glänzen.
Der Sweet Spot
Obwohl effektives Werfen auf allen Distanzen möglich ist, auch auf sehr kurzen, haben unsere Schnüre einen „Sweet Spot“: eine optimale Wurfkonfiguration, wenn man die Fliege jenseits von 20 m platzieren möchte. Das LST-Profil beinhaltet einen Abschnitt mit mittlerem Durchmesser zwischen Kopf und Running Line. Dieser Abschnitt dient als Wurfmarkierung.
- Langer Wurf (Doppelzug, mittleres technisches Niveau): Während der Leerwürfe lässt man die Schnur laufen, bis man spürt, dass man die Running Line zwischen den Fingern hält. In diesem Moment befindet sich der Übergangsbereich in den Ringen und der Kopf ist bereits draußen. Die Schnur ist bereit für einen spektakulären Shoot.
- Extremwurf (Doppelzug, fortgeschrittenes technisches Niveau): Für maximale Distanz kann man den gesamten Kopf inklusive Übergangsbereich herausziehen und etwa einen Meter Running Line aus dem Spitzenring lassen. In dieser Konfiguration umfasst die fliegende Schnur ca. 4 m Running Line, 14,5 m Kopf und das Vorfach (sagen wir 3 m). Das ergibt 21 bis 22 m. Dazu ein energischer Shoot – und 30 m sind in Reichweite!
Core
Der Kern der LST ist relativ dünn (24 lb) und weist eine Dehnung von 9 % auf. Das sorgt für hohe Geschmeidigkeit und völlige Memoryfreiheit – besonders angenehm, wenn man eine Running Line abziehen möchte, die längere Zeit auf der Rolle aufgewickelt war.
Beschichtung
Die Beschichtung der LST 5, 6 und 7 ist identisch mit der der ST3 und 4: ein hochwertiges PVC-Coating mit einer Gleiteigenschaft, die jedem sofort auffällt, der die Schnur wirklich in der Hand hatte. Es ist ein Vergnügen, sie durch die Ringe gleiten zu sehen, die Schlaufe mühelos wachsen zu lassen und vor allem die Leichtigkeit beim Shooten zu spüren. Die Schnur hat kein Memory – selbst nach längerer Lagerung rollt sie sich geschmeidig und gerade ab.
Anwendungstipps
Hier einige Kombinationen, die wir getestet und für gut befunden haben: Blanks, mit denen sich das volle Potenzial unserer Schnüre ausschöpfen lässt.
LST 5
- FP864: Eine feine und nervöse 8’6”, ausgeprägte Spitzenaktion, Klasse 4/5. In Kombination mit der LST5 ergibt sich ein extrem leichtes, hochpräzises Setup, das auch lange Vorfächer perfekt kontrolliert. Das perfekte Setup für die Sichtnymphe.
- FP905: Die erste Wahl für anspruchsvolles Trockenfliegenfischen auf offenen Strecken, bei dem Reichweite und zugleich feine Kontrolle gefragt sind. Sehr vielseitig – gleichermaßen geeignet für Sichtnymphe wie für das Werfen einer großen Heuschrecke.
- LH905: Die Quintessenz des Forellenfischens – eine 905 von unglaublicher Leichtigkeit, reaktiv und lebendig im Wurf, dabei mit angenehm sanfter Aktion im Drill an feiner Spitze.
- LH1004: Trockenfliegenfischen am großen Fluss, weite Würfe, effektive Mends und kraftvolle Anhiebe.
LST 6
- LH906: Perfekte Kombination für das Fischen auf Distanz, insbesondere mit Streamer auf Forelle. Ein Setup für große Flüsse, das man nach Patagonien oder Norwegen mitnimmt, das aber auch beim Meeräschenfischen im Salzwasser glänzt.
- FAF905: In ähnlicher Linie wie die LH906 harmoniert die FAF905 hervorragend mit der LST6 und ergibt ein Setup, das überall dort überzeugt, wo Kraft und Kontrolle für präzise Würfe auf Distanz gefragt sind.
- FP1006: Hervorragende Stillwasser-Kombination für mittlere bis lange Distanzen, alle Oberflächentechniken.
- LH866: Die Magie der Faser – die Redneck 866 kann wirklich alles. Mit einer LST6 wird sie zum echten Schweizer Taschenmesser, das jede Angelsituation meistert, von klassischer Trockenfliege über Sichtnymphe bis hin zum leichten Streamer.
LST 7
- LH1007: In Kombination mit der LST7 das ideale Setup für Oberflächenfischen auf große Distanz, besonders bei Wind. Trockenfliege, gebundene Chironomiden oder „Washing the Line“ im Stillwasser auf große, uferferne Forellen – hier sammelt die LST-Gleitfähigkeit kräftig Pluspunkte.
- Fast8: Wurfkraft und Flugstabilität. Ein Hochleistungs-Setup für kraftvolles Fischen mit Finesse: Bass mit Popper bei anspruchsvollen Präsentationen (Ufer, Hindernisse), Wolfsbarsch an der Oberfläche, Karpfen mit großer Nymphe oder Streamer.
- INV645: Ein kleines Juwel an Spritzigkeit – für eine Faser extrem dynamisch. Die INV 645 hat eine ausgeprägte Spitzenaktion, ist federleicht in der Hand und verlangt nur eines: die LST7 flach entlang der Ufer, unter Äste und an jeden Platz zu schießen, wo ein umherstreifender Bass den Streamer explosiv attackieren und die Faser bis ins Handteil durchbiegen kann.




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