Die Rute für die Nymphe-au-fil optimieren: Auswahl von Blank, Ringen und Griff
Wie man eine für die Nymphe-au-fil optimierte Rute aufbaut
Das Nymphenfischen mit der Nymphe-au-fil-Technik ist eine der unverzichtbaren Methoden, um im Fluss erfolgreich auf Forellen und Äschen zu fischen, aber auch auf Barben, Döbel und viele andere Fische, die man nicht unterschätzen sollte. Das Prinzip ist einfach: Eine oder zwei beschwerte Nymphen werden in einer möglichst natürlichen Drift Fischen angeboten, die sich weit unter der Oberfläche ernähren. Die Fliegenschnur wird aus der Gleichung gestrichen (daher der Name der Technik), und geworfen wird, indem man das Gewicht der Nymphen nutzt – ähnlich wie beim Fischen mit sehr kleinen Kunstködern.
Sobald die Nymphen in die richtige Strömungsrinne befördert wurden, besteht die Kunst dieser Fischerei darin, die Schnur so zu führen, dass eine minimale, aber nicht völlig fehlende Spannung erhalten bleibt. Auf diese Weise können unsere Imitationen der Strömung in der richtigen Tiefe folgen, ohne zu schleifen oder zu bremsen. Der Biss äußert sich manchmal als deutlich spürbarer Schlag in der Hand, ist aber meist wesentlich subtiler: eine leichte Veränderung in der Bewegung der Schnur, ein kurzes Innehalten … und genau dann ist der Moment zum Anhieb.
Wie man sieht, unterscheidet sich das Fischen mit der Nymphe-au-fil deutlich von der Trockenfliegenfischerei. Dieser Unterschied bringt spezifische Anforderungen mit sich, denen eine korrekt aufgebaute Nymphenrute möglichst gut gerecht werden muss. Genau darum geht es in diesem Artikel: Wir möchten einen Satz an Aufbauempfehlungen vorstellen, die von unserem Prostaff-Team beim Fischen und im Wettkampf verwendet werden, damit Ihre Rute zu einem fein abgestimmten, spezialisierten Werkzeug wird. Zunächst gehen wir die Konzepte durch, die unsere Aufbauentscheidungen leiten. Anschließend zeigen wir konkreter, wie man sie umsetzt, am Beispiel des Aufbaus einer Rodbuilders’ Republic Lighthouse LH 1102-4.
Die spezifischen Anforderungen der Nymphe-au-fil-Fischerei
Bevor man mit dem Rodbuilding beginnt, ist es sinnvoll, das Pflichtenheft zu klären: Welche Punkte sind wesentlich, wenn man eine Rute baut, die speziell der Nymphe-au-fil gewidmet ist?
Die Resonanz der Rute verbessern
Das Fischen mit der Nymphe-au-fil ist zweifellos die taktilste Form des Fliegenfischens. Erfahrene Angler verlassen sich zwar stark auf das Verhalten der Schnur in der Strömung, um Bisse zu erkennen, doch Informationen, die über die Schnur durch die Rute in die Hand gelangen, sind oft ein entscheidender Vorteil. Über die Bisse hinaus ist es äußerst wertvoll, das Verhalten der Nymphe und die Kontakte mit dem Grund zu spüren.
Idealerweise verhält sich eine Rute wie ein Verstärker: Die ideale Rute ist daher so resonant wie möglich. Solche Leistungswerte erreicht man, wenn man an zwei Punkten des Aufbaus arbeitet.
Das geringe Gewicht der Rutenspitze. Masse ist der wichtigste Isolator bei der Übertragung von Vibrationen. Je mehr Gewicht im oberen Teil der Rute liegt, desto weniger Resonanz zeigt sie. Um ein möglichst geringes Gewicht in der oberen Hälfte zu gewährleisten, ist die Wahl eines gut konstruierten Blanks der wichtigste Faktor. Das Gesamtgewicht des Blanks ist ein Anhaltspunkt, mit dem man die Resonanzfähigkeit der Spitze abschätzen kann. Auch die verwendete Carbonart spielt eine Rolle, ebenso wie das Know-how des Designteams. Anschließend achtet man darauf, die Spitze nicht unnötig zu beschweren, insbesondere durch die Wahl der Ringe.
Die Gestaltung des Griffes. Man sollte Materialien bevorzugen, die Vibrationen gut übertragen, und/oder Formen, die eine Griffhaltung begünstigen, bei der ein direkter Kontakt mit dem Blank möglich ist. Der Griff ist ein wesentliches Glied in der Informationskette zwischen Schnur und Hand des Anglers.
Bauchbildung in der Schnur begrenzen
Mit einer langen Rute und einer sehr feinen, nur leicht beschwerten Vorfachmontage zu fischen, bedeutet, den Einflüssen des Windes ausgesetzt zu sein. Bildet sich zwischen zwei Ringen ein Schnurbauch, sinken Sensibilität und Kontrolle schlagartig: Man fischt dann nur noch ungefähr, wenn nicht sogar ausgesprochen schlecht. Die Rute sollte daher so aufgebaut sein, dass dieses Phänomen begrenzt wird: Die Schnur muss von Ringen geführt werden, deren Abstände nie zu groß werden.
Verhindern, dass die Schnur am Blank klebt
Ein weiteres Problem unter denselben Bedingungen (feine Schnur, geringe Bebleiung) ist die Tendenz der Schnur, am Blank zu kleben, wenn dieser nass ist – was häufig der Fall ist, wenn man mitten im Fluss fischt. Das Phänomen ist den Match- und Waggleranglern gut bekannt, die sehr hoch stehende Ringe verwenden, um die Schnur vom Blank zu entfernen und so ein Ankleben zu verhindern. Auch die Beschichtung des Blanks kann dazu beitragen, dieses Problem zu reduzieren – das ist insbesondere bei den Nymphen-Blanks von Rodbuilders' Republic der Fall.
Eine lange Rute ausbalancieren
Die Körperhaltung beim Fischen mit der Nymphe-au-fil kann anstrengend sein: Meist hält man die lange Rute mit ausgestrecktem Arm, um maximale Reichweite und damit optimale Driftskontrolle zu erzielen. Um Ermüdung zu begrenzen, ist es wichtig, sowohl ein geringes Gesamtgewicht des Gespanns Rute + Rolle als auch eine gute Balance dieses Sets anzustreben, damit man jene schrecklichen Kombinationen vermeidet, die „kopflastig“ sind und das Handgelenk auf Dauer überlasten.
Schauen wir uns nun an, wie sich diese Prinzipien in konkrete Entscheidungen beim Rodbuilding umsetzen lassen. Als Beispiel erläutern wir den Aufbau einer Rute, die aus unserer Sicht technisch für die Nymphe-au-fil optimiert ist.
Aufbau einer LH 1102 Rodbuilders’ Republic
Der Blank
Der Rodbuilders' Republic Lighthouse 1102-4 ist ein Beispiel für einen Blank, dessen Design von Anfang bis Ende für die Nymphe-au-fil-Technik durchdacht wurde. Seine Länge von 11' (3,32 m) entspricht dem aktuellen Standard bei Wettkampfanglern auf höchstem Niveau. Sein Gewicht (45 g) ist für diese Länge bemerkenswert niedrig. Seine objektive Power (IP = 72 g) macht ihn zu einer echten #2-Schnurklasse, einem feinen Blank, der sich perfekt für das Fischen mit Nymphen auf 2- bis 3,5-mm-Kugeln eignet. Das gerippte „raw tape“-Finish reduziert das Haften der Schnur, wenn die Luftfeuchtigkeit hoch ist.

Die Ringe
Das grundlegende Prinzip hier ist die Suche nach maximaler Leichtigkeit. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass man auf einer 9-Fuß-Rute 10 Ringe vorsieht und auf einer Rute von n Fuß n+1 Ringe montiert. Für die Nymphe ist das jedoch zu wenig: Um Schnurbäuche zu begrenzen, müssen die Abstände zwischen den Ringen verringert werden. Mehr Ringe bedeuten aber auch mehr Gewicht auf der Rute – also weniger Resonanz und weniger Lebendigkeit in der Hand. Ein guter Kompromiss liegt bei etwa 13 Ringen, auch wenn man gelegentlich sehr gelungene Aufbauten mit 14 Ringen sieht.
Man wählt ein Ringmodell, das so leicht wie möglich ist. In dieser Hinsicht sind die Recoil RSF nur schwer zu schlagen. Es handelt sich um Einstegringe, und das ist wichtig: Dadurch halbiert sich die Anzahl der gebundenen und lackierten Wicklungen, was an der Spitze einer feinen 11'-Rute einen spürbaren Unterschied ausmacht. Die Ringserie beginnt mit einem Modell mit Keramikeinlage in der Form Ihrer Wahl, jedoch in Größe 12. Unter dem Gesichtspunkt maximaler Leichtigkeit ist ein Fuji KL in Titanium Torzite Polished Dark Grey ideal: sehr leicht, unauffällig und kurz gesagt äußerst leistungsfähig.

Anschließend erfolgt eine schnelle Reduktion mit einem Recoil RSF #6, dann einem #4 und einem #2, gefolgt von neun RSF-#1-Laufringen. Das gesamte Set ist schwarz – wenn sich störende Reflexe vermeiden lassen, sollte man das nutzen.
Sind die Ringe ausgewählt, bleibt die Frage ihrer Positionierung. Hier die Abstände zwischen den Ringen in Millimetern, gemessen ab dem Ende der Spitzenöse: 110 – 120 – 135 – 150 – 165 – 180 – 195 – 220 – 245 – 280 – 300 – 330 – 335.
Mit einem Griff, der über einen Fighting Butt verfügt, liegt der Stripper so etwa dreißig Zentimeter vor dem Kork, was ideal ist, um Schnurbäuche zu vermeiden.
Der Griff
Als Kontaktpunkt zwischen Angler und Rute spielt der Griff eine zentrale Rolle. Das gilt für jede Art des Fischens, aber ganz besonders für diese taktile Technik der Nymphe-au-fil.
Erste Wahl: das Material. Hier stehen sich zwei große Schulen gegenüber. Viele Angler, darunter einige der besten der Welt, bleiben dem Kork treu. Er ist das traditionelle Material: sehr leicht und bei guter Qualität äußerst angenehm in der Hand. Rodbuilders' Republic bietet einen Half-Wells-Griff (Tulpenform) an, der speziell für das Nymphenfischen ausgelegt ist – kurz genug, um den Kontakt des Zeigefingers mit dem Blank zu erleichtern, und schlank genug, um die Sensibilität nicht zu dämpfen. Dieser Punkt ist entscheidend, denn trotz seiner Qualitäten hat Kork einen Nachteil bei der Nymphe: Er ist ein Isolator und überträgt Vibrationen nur schlecht.
Zweite Option: der Carbon-Griff. Die Carbonhülle dieser Griffe sitzt auf einem harten Polyurethankern; das Ganze funktioniert wie ein Resonanzkörper. Sensibler geht es kaum. Die sehr schlanke Half-Wells-Form eignet sich perfekt für den Griff mit dem Zeigefinger oben. Der Hauptnachteil von Carbon ist das Griffgefühl: Je nach Modell ist es entweder strukturiert (Rodbuilders' Republic Half Wells) oder glatt (NFC Soft Touch), aber in jedem Fall hart. Manche lieben es, andere akzeptieren es im Namen der Resonanz, wieder andere tun sich schwer damit. Hier entscheidet der persönliche Geschmack.
Was das Rollensitzmodell betrifft, sind grundsätzlich alle Optionen offen; die Wahl ist in erster Linie eine Frage der Optik (mit einer Montage-Variante, auf die wir im nächsten Abschnitt eingehen).
Bleibt die Frage des Fighting Butts. Man kann darauf verzichten und spart so einige Gramm sowie ein paar Zentimeter Länge. Man kann diese Gramm aber auch als lohnende Investition betrachten: Der Fighting Butt bietet dem Unterarm eine nicht zu vernachlässigende Auflage – sowohl beim Fischen als auch im Drill eines guten Fisches. Außerdem ist er ein gutes Mittel, um die mitunter empfindliche Mechanik mancher Rollen vor Bodenkontakt zu schützen.
Die Balance des Gespanns Rute + Rolle
Wie oben bereits erwähnt, stellt sich bei der Balance eine doppelte Frage: Wie hoch ist das Gesamtgewicht des fischfertigen Gespanns, und wo liegt sein Schwerpunkt? Wie so oft im Rodbuilding existieren mehrere Schulen nebeneinander, und jeder findet seinen eigenen Weg – genau das macht den Reiz der Individualisierung aus.
Manche Angler setzen in erster Linie auf das geringstmögliche Gesamtgewicht von Rute und Rolle und wählen sämtliche Komponenten mit einem Auge auf die Waage. Die Idee dahinter: Wenn man stundenlang mit ausgestrecktem Arm fischt, muss die Schulter geschont werden, was ein möglichst geringes Gesamtgewicht erfordert. Eine sehr leichte Rolle wie eine Vivarelli reicht in der Regel nicht aus, um das Gewicht des Blanks vollständig auszubalancieren; das Gespann wird etwas kopflastig sein (Schwerpunkt vor dem Griff), doch diese Angler akzeptieren das im Austausch für ein unvergleichlich leichtes Setup.
Für andere steht der Schutz des Handgelenks im Vordergrund: Sie bevorzugen eine Rute, deren Schwerpunkt unter dem Zeigefinger liegt, sodass sich die Rute in der Hand von selbst in eine horizontale (oder leicht nach oben geneigte) Position bringt. Um dieses Gleichgewicht zu erreichen, gibt es zwei wirksame Maßnahmen, die sich kombinieren lassen.
Die erste besteht natürlich darin, eine etwas schwerere Rolle zu wählen. Die zweite, elegantere Lösung, weil sie ein relativ niedriges Gesamtgewicht erhält, besteht darin, den Rollensitz in umgekehrter Konfiguration, also als Down-Locking, zu montieren. Diese Montage rückt die Rolle weiter von der Hand weg und verbessert so bei gleicher Masse die Balance. Rodbuilders' Republic bietet dafür einen wunderschönen Carbon-Rollensitz an, der speziell für diese Down-Locking-Montage entwickelt wurde und in Kombination mit einem Nymphengriff aus Kork optisch hervorragend wirkt.
Und schließlich gilt: Vorbeugen ist besser als ausgleichen. Bevor man das Gewicht der Spitze kompensiert, ist es immer sinnvoll, es zunächst zu begrenzen. Neben der bereits erwähnten Wahl der ultraleichten Recoil-RSF-Ringe achtet man darauf, die Wicklungen so kurz wie möglich auszuführen, Faden der Größe A zu verwenden und eine dünne Lackschicht aufzutragen. Es sind Details – aber Rodbuilding bedeutet genau, die Performance bis ins kleinste Detail zu optimieren.
Zwei Griffprofile für die Nymphe-au-fil
Wir schlagen Ihnen zwei Griffprofile vor, die jeweils eine der oben beschriebenen Schulen illustrieren.
Das erste Profil steht für eine kompromisslose, technisch orientierte Lösung: Carbon-Griff von Rodbuilders' Republic für maximale Resonanz, RR-FRSDL-Down-Locking-Rollensitz für perfekte Balance und ein konsequent aufeinander abgestimmtes Carbon/Carbon-Design, dazu ein minimalistischer Fighting Butt aus Rubberkork (RRBC29), äußerst robust – ein ganz auf Leistung ausgerichtetes Gesamtpaket.

Das zweite Profil ist ein schönes Beispiel für diesen Sinn für Finesse, der Pascal so wichtig ist. Die klassische Eleganz des Korkgriffs verbirgt eine sorgfältig berechnete Geometrie, die in der Praxis voll überzeugt. Der Rollensitz begeistert durch seine schöne Maserung und bleibt dennoch sehr leicht. Das visuelle und funktionale Gleichgewicht des Ganzen wird durch einen Kork-/Rubber-Fighting-Butt FFR-RR-1 abgerundet.

Für alle, die noch einen Schritt weitergehen möchten, gibt es außerdem eine ausführliche technische Vorstellung der Nymphenblanks der Rodbuilders' Republic-Serie (https://rodhouse.com/blogs/rodbuilding/les-blanks-pour-la-nymphe-au-fil), die diesen Artikel ideal ergänzt und alle Informationen liefert, um seine Nymphenrute in voller Sachkenntnis aufzubauen.






















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